HOFFNUNG

Zum Jahresausklang und zur Halbzeit der 20er Jahre dieses verrückten Jahrhunderts möchte ich abschließend noch zwei Gedanken loswerden, die uns vielleicht etwas Trost in diesen turbulenten und bedrückenden Zeiten spenden können.

Zum einen geht es um die große Angst, die vielen von uns in die Knochen gefahren ist, seit brutale Angriffskriege vor unserer Haustür wieder zur Realität geworden sind und ein CEO-Monarch namens Donald Trump die Demokratie in den USA in einem Blitzkrieg angreift und zersetzt. Mich haben diese Ereignisse und Entwicklungen in einen Schockzustand versetzt. Alles ging so schnell, und vermeintlich feste Institutionen und Wahrheiten meines bisherigen Lebens wurden in kürzester Zeit entmachtet und widerlegt. Beispielhaft hierfür stehen der Krieg in der Ukraine und der Angriff von Elon Musk auf die Behörden der USA. Ich stand eine Zeit lang unter Schock und hatte große Angst, wohin diese Entwicklungen uns alle führen würden.

Nun zur positiven Seite: Angst fühlt sich zwar furchtbar an, ist aber als solche kein schlechtes, sondern ein sehr wichtiges Gefühl, das uns zu einer Reaktion zwingt. Sobald der erste Schock überwunden ist und man sich seiner Angst bewusst geworden ist, wird man reagieren. Da es der Mehrheit der Bevölkerung – zumindest glaube ich das – ganz ähnlich ergangen ist wie mir, habe ich die Hoffnung, dass es bald auch zu einer Reaktion der Mehrheit kommen wird. Wie ein Pendel, das mit etwas Zeitverzug auf einen Schlag reagiert, hoffe ich, dass sich die demokratischen Kräfte sammeln und auf die Bedrohungen durch Konzerne, Populisten und Diktatoren reagieren werden.

Zum anderen schöpfe ich Hoffnung aus dem Gedanken, dass das Leben im Großen zwar sehr bedrohlich wirkt, das Leben im Kleinen davon jedoch im Grunde noch nicht betroffen ist.

Damit meine ich die Momente, die man als Mensch mit allen seinen Sinneswahrnehmungen empfindet. Dazu gehören der wunderschöne Spaziergang durch die Natur, die Freude über eine kalte Dusche, ein gemütliches Kaminfeuer oder das gute Essen, das man mit seiner Familie oder auch allein zubereitet und genießt. Diese kleinen Momente sind vor den großen globalen Entwicklungen geschützt und sind eine Quelle für unendlich viele verschiedene positive Emotionen.

Nur weil das große Ganze sehr bedrohlich erscheint, kann man die kleinen Momente dennoch genießen, denn schließlich sind genau diese Momente die eigentliche Substanz, die das Leben ausmacht.